RAJASTHAN 2. – 22. Februar 2011

Plane Deinen Urlaub - Indien Wüste Thar

DIE PLANUNG

Die „Verursacher“ dieser Reise ins Unbekannte sind schnell genannt: Sibylle liegt mir schon seit Jahren in den Ohren, „einmal im Leben“ nach Indien zu fliegen. Im letzten Jahr konnte ich es noch verhindern mit einer interessanten Asien-Einsteiger-Alternative nach Thailand (die ja dann unfreiwillig noch um eine weitere Woche in Sri Lanka verlängert wurde dank eines eruptiven Vulkans in Island 🙂 ). Bereits im Sommer 2010 hatte sie dann Matthias und Dirk davon überzeugt, dass die beiden auch nirgendwo sonst hinreisen wollten als nach Indien.

An meinem 60. Geburtstag im August 2010 dann erhielten wir beide – Sibylle rückwirkend zu ihrem Geburtstag im Mai – je einen Reisegutschein der Firma Marco Polo (eine Tochter von Studiosus Reisen) über stolze 100 Euro, damit war mehr oder weniger alles klar: es musste nur noch die geeignete Indien-Reise im Katalog von Marco Polo gesucht und gefunden werden. Und sie wurde gefunden: eine dreiwöchige Rundreise von Delhi aus fast im gesamten Februar 2011 (der klimatisch angenehmsten Reisezeit) durch das größte Land Indiens: RAJASTHAN.

Die wichtigsten Vorbereitungen sind zwischenzeitlich abgeschlossen: alle notwendigen Impfungen wurden erneuert bzw. ergänzt (z.B. Hepatitis A für die nächsten zehn Jahre) oder ganz neu angelegt (Typhus für drei Jahre, bei uns beiden mit leichten Impfschmerzen in den Oberarmen). Aber das liegt jetzt schon hinter uns!

So freuen wir uns auf die Reise in etwas mehr als zwei Wochen, haben schon bezahlt, jedoch noch nicht unsere Einreisevisa zurück von der indischen Botschaft. Werden wohl noch rechtzeitig ankommen, Dirk sagt, wir sollen alles ganz locker nehmen.

Na dann!

Dienstag, 25. Januar – alle Unterlagen sind inzwischen angekommen, vor einigen Tagen die Reisepässe und heute auch die Flugunterlagen. Dirk hat für uns gute Plätze direkt hinter der Businessclass reserviert, dort kann man die Beine etwas länger ausstrecken.

Samstag, 29. Januar – noch fünf Tage. Erste Unruhe macht sich breit, ich war heute zum letzten Mal beim Tennis-Training. Nichts verletzt, bin körperlich top fit.

DER ABFLUG – Mittwoch, 2. Februar 2011

Am Morgen hat es ein wenig geschneit, damit hatten wir eigentlich nicht gerechnet. Bloß kein Blitzeis mehr wie vor unserem Ägypten-Urlaub vor drei Jahren! Aber alles ist halb so schlimm, gegen Mittag ist der wenige Schnee fast weg.

  • Abfahrt 13.48 Uhr in Bingerbrück, Ankunft 14.35 Uhr am Flughafen Frankfurt. Superschnelles Einchecken am Lufthansa-Schalter, in fünf Minuten ist alles erledigt. Wir gehen wie fast jedes Jahr zunächst in Halle 2, um schon einmal auf der Besucherterrasse Urlaubs-stimmung aufzutanken. Sehen kann man allerdings kaum etwas, da die Wolken fast auf Höhe der Landebahn hängen.
  • Abflug nach München pünktlich um 16.30 Uhr, Ankunft dort bereits um 17.05 Uhr. Sehr schnell!
  • Es ist wenig los auf dem Flughafen, wie auch schon in Frankfurt. Wir treffen Matthias und Dirk vor dem Abfluggate nach Delhi. Zeit ist noch genug. Um 19.45 Uhr soll der große Airbus A 340-600 abheben,  das klappt auch wie vorgesehen. Wir sitzen ganz vorne direkt hinter der Business-Class mit etwas mehr Beinfreiheit, recht angenehm für die „Holzklasse“.
  • Das Flugzeug scheint voll zu sein, geplante Flugzeit nur knapp 7 Stunden, Zeitdifferenz + 4,5 Stunden. Es ist jetzt 6.52 Uhr, in einer dreiviertel Stunde sollen wir landen. Wir sind gespannt auf Indien!
Plane Deinen Urlaub - Indien
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DELHI – Donnerstag, 3. Februar 2011

Landung in Delhi früh um 7.45 Uhr, aber mit einem zum Glück eher seltenen „Ereignis“: kurz vor dem Aufsetzen gibt der Pilot nochmals Schub und startet durch – das habe ich noch nie mitgemacht! Alle um uns herum wundern sich, aber die Erklärung kommt schnell. Es hätten sich einige Passagiere im Flugzeug nicht angeschnallt, und deshalb diese Aktion. Vielleicht wollte er seinem Copiloten aber auch nur zeigen, wie das geht mit dem Durchstarten!? Auf jeden Fall ein etwas seltsames Gefühl, nichts für Menschen mit Flugangst.

Die meisten der Gruppe sind schon im Hotel, da sie aus Frankfurt angereist sind.  Wir sind ziemlich k.o., aber das Programm läuft unerbittlich an. Nach einer knapp einstündigen Einführung durch unseren Reiseleiter, einen sehr gut sprechenden Inder mittleren Alters mit Namen Manish Gupta, geht’s los.

Wir entdecken Delhi. Der Verkehr ist abenteuerlich, Kinder winken unserem Bus aus vorbei fahrenden Schulbussen freundlich und neugierig zu. Die ersten Fotos werden gemacht, die Temperatur ist mit rund 25 Grad angenehm. Die Luft ist diesig, Smog über Delhi ist normal, sagt unser Reiseleiter. Heute sei es nicht so schlimm, aber ich habe den Eindruck, dass man die Luft fast „schmeckt“, zumindest riecht man sie irgendwie.

Ich erspare dem geneigten Leser hier die Berichte über das „Rote Fort“, eine beeindruckende Anlage und das monumentale Grabmal für den Mogul Humayun. Viel interessanter ist die gemeinsame Fahrt der ganzen Gruppe in Fahrradrikschas durch das enge und abenteuerliche Gassengewirr in der Altstadt von Delhi – die Fotos lassen das tolle Erlebnis nur erahnen!

Es ist früher Nachmittag. Auf den Grünflächen vor den größeren Gebäuden sitzen Männer in kleineren Gruppen und trinken Tee oder spielen Karten. Manish sagt, es seien die Beamten, die sich ihre Zeit vertreiben. In Indien nennt man die Beamten die „Schwiegersöhne des Staates“. Es sei sehr schwierig, Beamter zu werden, aber noch schwieriger sei es, ihn wieder los zu werden.

Unser erstes Abendessen nehmen wir in einem „Chicken-Restaurant“ in Delhi ein. Daran werde ich mich jetzt wohl drei Wochen lang gewöhnen müssen: kein Rindfleisch (selbst bei Mäckes nicht, wie unser Reiseleiter sagt), kein Schweinefleisch, wohl auch kaum Fisch, nur Hähnchen (Chicken) in allen Variationen, Gemüse, Obst und Süßes (was gut schmeckt!).

Am Abend sind wir alle kaputt, schlafen schon im Bus auf der Rückfahrt zum Hotel ein.

Plane Deinen Urlaub - Indien
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Plane Deinen Urlaub - Indien Agra
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DELHI – MANDAWA Freitag, 4. Februar 2011

Aufstehen bereits um 6.30 Uhr, angeordnet von Manish. Koffer vor die Zimmertür um 7.00 Uhr stellen, damit sie für den Bus abgeholt werden können. Frühstück um 7.00 Uhr, dann pünktlich um 8.00 Uhr Abfahrt.

Es geht los! Durch das dunstige Delhi Richtung Südosten nach Mandawa in Rajasthan, das wir gegen 16.00 Uhr erreichen. Wir sind fast die letzten im Bus, deshalb bleiben auch nur Plätze im hinteren Bereich. Der Bus ist recht neu, die Klimaanlage funktioniert – anders als im Bus im letzten Jahr in Thailand – einwandfrei. Momentan wird sie noch nicht gebraucht, wir haben etwa 20 Grad am Morgen.

Der Bus hält an einer Mautstelle. Wir erfahren, dass es auf unserer Fahrt viele dieser Mautstellen gibt, die von den Autofahrern immer wieder kleinere Geldbeträge einkassieren.

Die Straße wird zunehmend schlechter und holperiger. Wir schauen auf eine bäuerliche Landschaft, auf ein pulsierendes Leben am Straßenrand. Kühe sind noch nicht viele zu sehen, aber Menschen, die ihren Geschäften nachgehen.

Übrigens „Geschäfte“: Manche Männer pinkeln ganz ungeniert am Straßenrand und gehen somit ihren eigenen wichtigen Geschäften nach. So stand es bereits im Reiseführer, wir wollten es gar nicht glauben! Manish gibt uns Hinweise, wie wir uns verhalten sollen, wenn vor allem Kinder beim Aussteigen aus dem Bus auf uns einstürmen. Bloß kein Geld geben, besser die kleinen Shampoo-Flaschen aus den Hotels, die wir von nun an horten und bei den Stopps verteilen.

Die Gruppe wird langsam lockerer. Wir müssen uns so nach und nach beschnuppern. Die Müller-Gruppe sitzt also hinten im schaukligen Bus. Dirk ist ziemlich erkältet, desinfiziert mit einer Flasche Jack Daniel’s. Ich schließe mich an, um mich nicht anzustecken. Mit Erfolg – doch einen Tag später trifft es Sibylle mit einer dicken Schnupfnase.

Am Abend erreichen wir Mandawa, es gibt ein gutes Buffet unter freien warmen Himmel.

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Plane Deinen Urlaub - Indien Rattentempel
Plane Deinen Urlaub - Indien
Plane Deinen Urlaub - Indien Jaisalmer

MANDAWA – BIKANER Samstag, 5. Februar 2011

Gleicher Ablauf wie gestern: sehr früh aufstehen, Koffer packen, frühstücken, losfahren. Das Hotel in Mandawa hatte ich noch nicht beschrieben. Das „Desert Resort“ sieht aus wie eine Anlage in der Steppe Afrikas, Sibylle und ich haben eine Art Bungalow aus Lehm (mit 3-4 Wohneinheiten). Interessanter als das Äußere sind das Schlafzimmer und das Bad. Wir schlafen auf  einem Lehmblock (hier gibt es auch überall Ziegeleien) mit einer Matratze drauf, sicherlich angenehm kühl im Sommer, aber jetzt im Februar recht kalt. Vielleicht hat Sibylle sich auch hier ihre Erkältung geholt! Ich dagegen bin fit.

Pünktlich kurz nach 8.00 Uhr startet unser Bus. Wir haben rund 300 Kilometer vor uns. Manish erklärt uns das Kasten- und Schulwesen, Geografie, Geschichte und Kultur Indiens in aller epischen Breite und Ausführlichkeit. Ich höre nur teilweise zu, schreibe schon am Bericht, um nichts zu vergessen.

Wir erreichen Bikaner zeitig am Mittag, weil die Straßen besser werden. Eine zweistündige Besichtigung des imposanten Forts ist angesagt. Schulklassen, die ihren Lehrerinnen – anders als in Deutschland – gehorsam folgen, schauen uns neugierig an. Sibylles rote Haare fallen auf.

Danach steht eine Kamelzuchtfarm auf dem Programm, und dann kommt der Tageshöhepunkt: der Rattentempel von Deshnok in der Nähe von Bikaner.

Über Vieles hatte ich mich ja schon im Vorfeld der Reise informiert, Dazu gehörte auch dieser außergewöhnliche Tempel mit den als Heilige verehrten Rattenviechern, die hier von den Gläubigen genährt und verehrt werden. An der Eingangstür geht es schon los! Da wir den Tempel ja  nicht mit Schuhen betreten dürfen, ziehen wir uns dünne Stofflatschen über die Strümpfe, die man billig erwerben kann. Matthias und Dirk begnügen sich mit den bloßen Füßen – also barfuß! Es stinkt furchtbar nach Ratten überall. Die Hindus gehen ehrfürchtig in Richtung eines kleinen Raumes, in dem ein Mann irgendwelche Zeremonien vornimmt. Wenn man eine weiße Ratte sieht, soll sich ein Wunsch erfüllen. In irgendeiner Rattenecke sehen wir tatsächlich eine helle, vielleicht weiße Ratte. Die ist dann wohl für viele Wünsche zuständig, denn jeder sieht sie in der Ecke fleißig am Futter mampfen.

Matthias zieht eine Ratte am Schwanz (siehe oben), sie stört sich nicht sonderlich daran. Nach einer guten halben Stunde reicht es uns – ein einmaliges Erlebnis, das man aber nicht unbedingt braucht im Leben.

Die Fahrt geht weiter in Richtung unseres Hotels, das wir in der Dunkelheit erreichen. Es ist das ehemalige Jagdschloss eines Maharadschas der Kette HRH, steht für „His Royal Highness“, also „Seine königliche Hoheit“. Die Hotelzimmer werden verteilt, es sieht alles sehr gut aus. Nach dem Abendessen (Buffet) mit „vornehmer“ Bedienung sind wir wieder mal total geschafft und blicken zurück auf einen ereignisreichen Tag.

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Plane Deinen Urlaub - Indien Jaisalmer
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BIKANER – JAISALMER Sonntag, 6. Februar 2011

Der dritte Tag hintereinander, an dem wir sehr früh aufstehen müssen. Es geht weiter Richtung Westen nach Jaisalmer, eine Stadt von rund 50.000 Einwohnern am Rande der Wüste Thar. Hier werden wir zwei Nächte verbringen, endlich einmal, um die Klamotten aus dem Koffer zu holen und zu lüften. Aber wir sind bester Dinge, die ganze Gruppe der 22 ist gut auf die lange Rundreise eingestimmt. Bis heute – wir sind ja erst am Anfang – gibt es keine „Ausreisser“.

Mehrere kleine Zwischenstopps machen das Geschaukel weniger anstrengend. Ich lasse da ganz einfach ein paar Bilder sprechen von dieser bäuerlichen Landschaft mit den farbenprächtigen Impressionen der Menschen, Tiere und Pflanzen.

Am späten Nachmittag erreichen wir nach rund 300 Kilometern Jaisalmer. Unser Hotel ist ein komfortabler Neubau etwas außerhalb der Stadt im Stil eines Palastes. Sehr angenehm, morgen werden wir, so hat uns Manish versprochen, auch einmal Zeit haben für ein Sonnenbad am oder im Swimmingpool.  Ein gutes Buffet rundet den Tag ab.

Plane Deinen Urlaub - Indien Jaisalmer
Plane Deinen Urlaub - Indien Jaisalmer
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JAISALMER Montag, 7. Februar 2011

Endlich einmal etwas länger schlafen. Am heutigen Montag ist die etwa vierstündige Besichtigung der komplett ummauerten Altstadt – die „Goldene Festung“ – angesagt. Das ist eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, pulsierendes Leben auf den Straßen und zum Glück noch relativ wenige Touristen, da wir ziemlich früh unterwegs sind. Kleine Bakschisch-Zahlungen für Fotos (fast alle meine Portätfotos in diesem Bericht haben ein paar Rupien „gekostet“) sind obligatorisch. Viele hübsche Frauen haben sich darauf spezialisiert, sich mit ihren wunderschönen Saris und ihrem Schmuck zu präsentieren und fotografieren zu lassen.

Wir kaufen die eine oder andere Kleinigkeit als Mitbringsel oder ganz einfach nur für uns. Ich habe inzwischen schon drei Marionettenpuppen gekauft, das alles muss auf der Rückreise irgendwie mit in die Koffer. Sibylle hat ihre Freude an einer Halskette aus Samen und an silberfarbenen Fußkettchen gefunden.

In einem typischen Haweli, einem ehemaligen vornehmen Kaufmannshaus, erfahren wir, wie wohlhabene Bürger Rajastans früher gelebt haben. Heilige Kühe überall auf den Straßen der Altstadt. Alles riecht nach Kuh und nach deren Ausscheidungen.

Auf dem Dach des Hawelis wird Sibylle von einer neugierigen jungen indischen Familie angesprochen. Sie wollen sich alle in unterschiedlicher Formation mit ihr fotografieren lassen; jetzt sind also wir Europäer die Fotoobjekte. Wie seltsam und lustig zugleich. Sibylle verlangt kein Geld!

Nach unserer Rückkehr zum Hotel, einem Internetcheck und einer netten Unterhaltung mit dem amerikanischen Ehepaar, die wir am Abend in einem typischen indischen Restaurant in der Stadt (auf eigene Faust mit einem schon aus Sri Lanka bekannten „Tuk Tuk“ angefahren) fortsetzen, geht es am  Nachmittag auf unseren ersten gemeinsamen Ausflug in die angrenzende Wüste. Auf den Rücken von Kamelen – jeder hat sein eigenes – trotten, besser schaukeln wir rund eine dreiviertel Stunde auf eine von unzähligen Sanddünen. Manish hat uns genaue Instruktionen mit auf den Weg gegeben, was der Kameltreiber kostet, was der ständig in Begleitung mitlaufende Getränkeverkäufer, wie viel den Sängerinnen und Tänzerinnen und den Musikern als Bakschisch zu geben ist. Nicht einfach, sich das alles zu merken und nicht übers Ohr gehauen zu werden!

Es macht trotzdem einen Riesenspaß. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang und müssen vorher noch zähe Verhandlungen mit den Getränkeverkäufern über die viel zu hohen Preise für Bier und Cola über uns ergehen lassen müssen. Dirk muss mit einer schönen Einheimischen, die uns auch wie die Schmeissfliegen belagern, auf der Düne tanzen. Natürlich will sie vom applaudierenden Publikum ein nicht zu knappes Bakschisch haben. Schließlich geht es zurück zum Hotel und danach, wie schon kurz erwähnt, nur wir vier in das von „Iwanowskis Reiseführer“ zu Recht empfohlene „Trio-Restaurant“.

Das letzte „Event“ an diesem Abend wiederfährt uns nach dem Abendessen. In der Stadt prozessiert mit viel Lärm und Tam Tam eine Hochzeitsgesellschaft von etwa 200 Personen, der Bräutigam hoch zu Ross. Ich habe leider keinen Fotoapparat dabei und kann es nur so schildern: wir vier werden sofort in die Gruppe von den feiernden und total ausgelassenen Menschen hinein geschupst und aufgefordert mitzumachen. Matthias wird von mehreren Männern in die Luft geworfen und  fällt recht unsanft auf die Straße zu Boden, weil die alle schon ziemlich „benebelt“ zu sein scheinen. Ein älterer Mann, offenbar der Brautvater, lädt uns sofort ein, mitzukommen und auf seine oder wessen Kosten auch immer mitzufeiern. Wir müssen leider sehr höflich ablehnen, denn unsere Tuk Tuks warten um 22.30 Uhr am Restaurant, um uns ins Hotel zurückzubringen. Schließlich soll es morgen früh ja weiter gehen. Ein beeindruckender Tag geht zu Ende!

Plane Deinen Urlaub - Indien
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JAISALMER – WÜSTE THAR Dienstag, 8. Februar 2011

Mit Spannung erwarten wir heute den Tag, an dem wir in einem „Wüstencamp“ in Zelten übernachten sollen. Es geht wieder zeitig auf den Weg, wir verlassen ein recht komfortables Hotel, das dem Standard der Rundreisehotels in Thailand, wie wir sie im letzten Jahr kennengelernt haben, durchaus entspricht. Hier gab es sogar einen zusätzlichen Flachbildschirm auf dem Klo (also im Bad), leider kein deutsches Programm. Aber das braucht man ja auch nicht wirklich!

Die Route führt südwärts, die Landschaft wird trockener und staubiger. Bei einem Stopp in einem Dorf auf der Durchgangsstraße wird unsere Reisegruppe von den Kindern um Kugelschreiber („Give pen!“), Shampoo und natürlich Geld angebettelt. Es nervt, man soll es ignorieren, sagt Manish. Aber die Kinder sind hartnäckig, sie folgen den einzelnen Kleingruppen der Reisenden auf Schritt und Tritt. Beim Einsteigen in den Bus nach 20 Minuten werden wir regelrecht belagert. Gibt man einem Shampoo, hat man schon verloren. Unsere Hotelvorräte sind schnell erschöpft.

Weiter geht es zu einem Hotel, von wo aus am frühen Nachmittag die Kameltour starten soll. Das Gepäck wird mit Jeeps vorausgeschickt, wir sollen nur das Notwendige wie Rucksack und Getränk mitnehmen. Nach dem gestrigen Touri-Ausflug in die Wüste wird uns wohl Ähnliches erwarten. Aber zum Glück läuft es angenehmer ab, keine Getränkehändler, die einen belästigen, begleiten uns. Jeder bekommt sein eigenes Kamel, das, geführt von einem Einheimischen, sich langsam und gemächlich auf den Weg macht. Das Auf- und Absteigen ist das Schwierigste, aber kurz vor Sonnenuntergang nach 2 Stunden spüre ich meinen Hintern kaum noch. Alles ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ich muss das nicht wirklich haben, genügt dann auch für diesen Urlaub.

Am Abend kommen wir im Camp an, immer ein recht luxuriöses Zelt für ein Paar (oder auch für Alleinreisende gegen Aufpreis natürlich). Ein nettes Abendprogramm mit Musik und Tänzern vor dem Essen und eine kühle Nacht im Zelt (nur 3 Grad!) schließen sich an.

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WÜSTE THAR – JODHPUR –  LUNI Mittwoch, 9. Februar 2011

Am nächsten Morgen geht es etwas gemütlicher voran. Ich habe übrigens, wie ich später erst feststellen werde, meine unsäglich hässliche, aber sehr nützliche gelbe „Edeka-Mütze“ im Zelt liegen gelassen. Manish wird deshalb einige Tage später im Zeltcamp anrufen und darum bitten, dass diese Mütze nachgeschickt wird nach Jaipur. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen!

Vorgesehen ist die Weiterfahrt über Jodhpur nach Luni, wo wir in einem kleinen Fort übernachten werden. Auf dem Weg dorthin geht es zunächst in die „blaue Stadt“ Jodhpur mit dem beeindruckenden Meherangarh-Fort, das sich majestätisch über der Stadt mit unzähligen blau gestrichenen Häusern erhebt.

Unsere Fortbesichtigung ist sehr interessant. Wir erfahren, wie ein Turban aus 9 Meter langem Stoff kunstvoll gewickelt wird.

Die Fahrt geht weiter nach Luni, einem kleinen Ort mit einem Eisenbahnknotenpunkt. Im Laufe unserer Reise werden wir ja auch noch eine kleine Teilstrecke mit dem Zug zurücklegen, worauf ich sehr gespannt bin.

Am Nachmittag wollen einige aus der Gruppe etwas Geld am Automaten ziehen. Da die meisten auch Hunger haben, überfällt der größte Teil der Gruppe ein kleines landestypisches Restaurant, in dem es nur vegetarisches Essen gibt – sehr zu meinem Leidwesen. Keiner kann die Karte lesen, nur Hindi, kein Englisch. Also muss Manish an allen Tischen übersetzen und erklären. Meine Bestellung ist dann ganz o.k., scharf aber schmackhaft. Überhaupt: mit der Verdauung geht es überraschenderweise recht gut, ich musste erst einmal eine Tablette nehmen.

Das Hotel in Luni ist ein ehemaliges Fort, ummauert und eine Oase der Ruhe. Wir werden hier zwei Nächte bleiben, weil unser Busfahrer morgen frei hat.

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Plane Deinen Urlaub - Indien Jodhpur
Plane Deinen Urlaub - Indien Jodhpur
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LUNI Donnerstag, 10. Februar 2011

Am Vormittag verlassen wir das Fort und gehen zu Fuß zum nahe gelegenen Bahnhof. Die ländliche indische Wirklichkeit – nicht das geschützte ummauerte Hotel für die Touristen – hat uns erreicht. Wir werden auf Schritt und Tritt von neugierigen Kindern begleitet, schauen in für europäische  Verhältnisse unglaublich arme Häuser hinein, aber die Menschen scheinen zufrieden zu sein.

Es geht zum Bahnhof. Nach einer viertel Stunde fährt ein Zug ein, wie man es schon oft in Reiseberichten im Fernsehen gesehen hat. Drei Wagen vorne klimatisiert, dahinter viele Wagen mit offenen vergitterten Fenstern. Dieses Mal kein Passagier, der auf dem Dach mitfährt.

Vor dem Bahnhof in ein, zwei Straßen geschäftiges, aber geruhsames Treiben. Die Friseure haben immer etwas zu tun.

Wir gehen weiter zu einer Schule. Manish (im Bild beim Bartschneiden) organisiert mit der Schulleiterin, dass wir in die Klassen hineinschauen können. Was für eine Abwechslung für die Kinder! Über 40 sitzen am Boden und sind viel disziplinierter als in Deutschland. Schuluniform ist Pflicht. Mittagessen gibt es auch, wird vor Ort auf dem Steinboden zubereitet. Im Hof sind zwei Frauen bei der Arbeit, eine schaufelt Sand in eine Schale, die andere trägt diese Schale etwa drei Meter auf dem Kopf und schüttet den Sand dann in die „Baustelle“, einem kleinen noch zu errichtenden Gebäude. Einige Männer mauern Steine. Am Ende des rund einstündigen Informationsbesuchs spenden viele von uns Geld für diese Schule. Das ist bestimmt bestens angelegt.

Zurück geht es durch den geschäftigen Ort ins Hotel-Fort, kleine Erholungspause für knapp zwei Stunden, dann ist ein Jeep-Ausflug zu den Bishnoi angesagt, eine Volksgruppe, die noch sehr ursprünglich lebt und alles Leben, unter anderem auch die Bäume, schützen (also nicht fällen!) und die nichts essen, was unter der Erde wächst (zum Beispiel keine Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten usw.). Bei einem Opium-Bauern machen wir eine weitere Rast, lassen die Männer der Gruppe mit Turbanen fotografieren und kosten ein leicht opiumhaltiges Getränk. Wir merken nicht wirklich etwas davon.

Der Sonnenuntergang ist Pflicht bei dieser Tour, die üblichen „ach – wie – ist – das – schön – Fotos“ und ein Schlückchen Hochprozentiges sorgen für gute Laune. Leider ist an diesem Abend im Hotel das Abendessen nicht inbegriffen, und deshalb war meine Vorstellung, dass eine Zusammenstellung von Kleinigkeiten – ich esse sowieso nicht alles vom Buffet – ausreicht und preisgünstiger ist. Weit gefehlt! Das Buffet hätte pro Person 600 Rupien gekosten (rund zehn Euro), alleine das Hühnchen ohne Beilagen 500 Rupien (fast neun Euro). Das sind schon stolze Preise für Indien, aus meiner Sicht nicht ganz in Ordnung, wenn man keine Wahl hat, weil „vor der Haustür“ sich keine Alternativen anbieten.

Wir merken das alles viel zu spät, als die Rechnung für zwei Essen mit einem Bier insgesamt 1600 Rupien ausmacht, das sind rund 27 Euro. Mir kommt es so vor, als wenn hier in Indien die Touristen, wenn sie sich nicht abseits der Pfade begeben, schon ein wenig „ausgenutzt“ werden. Das war in Thailand im letzten Jahr nicht so.

Aber egal, wenn es sonst nichts zu meckern gibt!

Plane Deinen Urlaub - Indien Luni
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LUNI – RANAKPUR  Freitag, 11. Februar 2011

Ich muss mich ein wenig sputen, liege über zwei Tage zurück mit meinen Aufzeichnungen. Deshalb soll der heutige Tag etwas mehr zusammengefasst werden. Es geht weiter Richtung Süden, die Landschaft wird deutlich grüner, das Wetter wärmer. Ab sofort wird kein Pullover am Morgen mehr benötigt.

Die Stimmung im Bus ist gut, die Gruppe der 22 zieht bis jetzt das sehr abwechslungsreiche Programm ohne Murren durch. Die Truppe setzt sich wie folgt zusammen: wir vier (Sibylle, Matthias, Dirk und ich)  aus Bingen / München. Fünf Ältere kommen aus Berlin, drei Frauen aus Zürich, ein jüngeres Paar aus Augsburg, ein Paar aus Buxtehude, ein sehr viel fotografierender Alleinreisender aus Essen („der Fotograf“), Mutter und Tochter aus der Nähe von Calw sowie das amerikanische Ehepaar aus Virginia mit ihrem ehemaligen Austauschschüler aus dem Bergischen Land (die waren schon in der Antarktis). Die Meisten sind schon weit gereist, haben viel zu erzählen.

Ein weiterer Tempel wird besichtigt: die „Jains“ ist eine ganz besondere Religionsgruppe der Hindus, der nur 0,4 Prozent der Bevölkerung Indiens angehören. Sie tragen keine Sachen aus Leder (weil dann die Tiere getötet werden müssten), deshalb müssen wir auch unsere Ledergürtel im Bus zurücklassen. Schuhe werden sowieso ausgezogen vor dem Eingang. Kurze Hosen sind nicht erlaubt, Fotografieren kostet extra Geld. Aber die Jains sind reich, man sieht es an ihren Gebäuden: sehr gepflegt, sauber und in strahlendem Weiß.

Wir kehren zurück in unser Hotel, das wir schon am Mittag erreicht hatten. Abendessen in der Gruppe, dann ziemlich k.o. ins Bett. Das Zimmer ist in Ordnung, nicht der Standard von Thailand, aber Dirk macht mich darauf erneut aufmerksam, dass man das nicht vergleichen kann.  Man erwischt sich trotzdem immer wieder dabei.

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RANAKPUR – UDAIPUR  Samstag, 12. Februar 2011

Auf der Landkarte sieht es nicht so weit aus von Ranakpur nach Udaipur. Trotzdem hat Manish eine lange Fahrt angekündigt, und er soll Recht behalten. Unser Bus kurvt zunächst die Straße hoch ins Avali-Gebirge, maximale Erhebung 1.700 Meter. Am Straßenrand turnen Affen in den Bäumen. Kinder am Wegesrand erhalten von Matthias kleine Shampoo – Flaschen aus dem Hotel, der Büffel schaufelt Wasser für die Felder hoch.

Erster Stopp am Fuße eines riesigen Forts. Matthias, Dirk und ich laufen die zwei Kilometer dahin (der Bus passt nicht durch eine Unterführung), der Rest fährt mit Jeeps. Das Fort selbst ist schon eine riesige Anlage. Man sieht gewaltige Mauern, die nur einmal in der Geschichte überwunden werden konnten, als nämlich das Trinkwasser für die Menschen im Fort vergiftet wurde. Wir treffen dort eine kleine Gruppe von indischen Jesuiten, die einen Ausflug machen. Zwei Professoren von ihnen sprechen sehr gut Deutsch, da sie für einige Zeit in München bzw. Innsbruck auf der dortigen Universität Theologie studiert haben.

Am frühen Nachmittag geht es weiter nach Udaipur, unserem heutigen Ziel. Diese viertgrößte Stadt von Rajasthan werden wir dann morgen besichtigen. Vorher wird noch ein Tempel besucht und ein wenig eingekauft. Ich erwerbe zwei kleine Seidenmalerei-Bilder, wie sie typisch für diese Region sind.

Das sehr neue Hotel (teilweise noch mit Bauarbeiten) liegt etwas oberhalb der Stadt mit Blick auf die beiden vor Jahrhunderten künstlich angelegten Seen. Deshalb wird Udaipur auch das „Venedig Indiens“ genannt.

Plane Deinen Urlaub - Indien Udaipur
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UDAIPUR  Sonntag, 13. Februar 2011

Der heutige Tag ist ganz für die Besichtigung des großen „City-Palace“ am Vormittag und für einen Bummel durch die Altstadt vorgesehen. Im Palast fallen wieder neben den Eintrittsgebühren auch Fotogebühren an, die höher sind als das Eintrittsgeld selbst. Wie immer umfangreiche Kontrollen der Tickets und der Taschen nach Fotoapparaten, die nicht „angemeldet“ sind. Ich stelle erneut fest, wie ausgeprägt die Angst der Inder ist vor irgendwelchen Gefahren bei Menschenansammlungen. Überall hoch offizielle und sich sehr wichtig machende Aufsichtspersonen in Uniformen. Die Inder haben einen hohen Respekt vor allem Offiziellen.

Der Palastbesuch verschlingt viel Zeit und Energie. Es ist viel los heute am Sonntag, ganze Heerscharen von indischen Familien, die oft in Rudeln auftreten. Drei Generationen, die Frauen immer noch in ihren traditionellen Saris. Aber immer mehr junge Frauen sind westlich in Jeans gekleidet.

Nach fast drei Stunden sind wir ziemlich geschafft. Sibylle hatte heute Vormittag schon Geld am Automaten gezogen, ich wechsele jetzt meine in Mainz eingetauschten Dollars – die man hier auch als Trinkgeld nicht wirklich braucht – gegen Rupien. Die Wechselstube im Keller eines schmalen Gebäudes sieht schon abenteuerlich aus, aber alles geht korrekt zu. Die Chefin, die hinter ihrem Tresen auch Süßwaren, Tempo-Tücher, Zahncreme, Batterien und eben einfach alles verkauft, überprüft jeden einzelnen Schein genau, will aber keine Reisepass sehen. Der Kurs stimmt, das ist das Wichtigste.

Unsere Vierergruppe entscheidet sich, nach dem Stadtbummel auf eigene Faust mit dem Tuk Tuk zum Hotel zurückzufahren und nicht wie der Rest eine kleine Bootsfahrt auf dem See zu machen. Wir wollen uns frisch machen für das Abendessen in einem vom Reiseführer empfohlenen Restaurant „Ambrai“ direkt am See. Es ist schon erstaunlich, dass wir Vier alle in dieses winzige Gefährt hineinpassen. Drei auf die Bank hinter den Fahrer, ich vorne neben ihn. In rasantem Tempo geht es durch die engen Straßen, wir hoffen, dass der Fahrer uns richtig verstanden hat und die Adresse kennt. Sieht aber ganz so aus 🙂

Am  Nachmittag dann geht es auf fast die gleiche Art zurück zu dem besagten Restaurant, wo wir auf den Rest der Gruppe treffen wollen. Vom Hotel aus zunächst einen kurzen Weg zurück durch ein Spalier von Kindern, die wieder Shampoo, Stifte oder was auch immer von uns haben wollen. Alles inzwischen eine Sache der Gewohnheit, alle sind sehr lieb. Aber wir werden bestaunt ohne Ende, zumal Dirk mit seinen knappen 1,90 Metern und den blonden Haaren für die Inder schon fremd wirkt und natürlich besonders auffällt. Junge Inder lassen sich gerne mit ihm fotografieren, aber auch andere muss schon mal posieren für einen Einheimischen.

Das „Ambrai“ in Udaipur ist wirklich gut und überraschend preiswert. Wir sitzen direkt am See auf den von Manish rechtzeitig reservierten Plätzen und genießen den lauen Abend. Der riesige City Palace und das im Pichola Lake gelegene Hotel „Lake Palace“ sind in  vielen Gelb- und Orangetönen angestrahlt, alles spiegelt sich im See. Man glaubt in Italien zu sein, ab und zu sind kleinere Hochzeits-Feuerwerke am Himmel zu sehen. Übrigens wurden hier die berühmten Außenaufnahmen vom James Bond-Film OCTOPUSSY gedreht. Die Insel selbst ist ausschließlich für sehr viel Geld zahlende Luxushotelgäste zugänglich.

Plane Deinen Urlaub - Indien Udaipur
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UDAIPUR – KOTA  Montag, 14. Februar 2011

Früh am Morgen mache ich schon die ersten Aufnahmen vom Dach unserer Wohneinheit aus. Das Zimmer ist übrigens ganz in Ordnung, das Hotel in Udaipur gehört zu den besseren auf der Rundreise. Shampoo–Flaschen für die Kinder unterwegs werden natürlich wieder eingesteckt.

Wir kommen an weiß blühenden Opium-(Mohn) Feldern vorbei, die angeblich ausschließlich für die Herstellung von Medizin angebaut werden. So ein Feld hat laut Manish einen Wert von rund 800.000 Rupien, das sind umgerechnet 13.500 Euro.

Weiter geht es nach Chittorgargh, einem sehr weitläufigen Fort-Hochplateau aus dem achten Jahrhundert. Das ganze Gelände ist so riesig, dass wir alle von unserem  Bus aus zunächst mit Tuk Tuks in rasanter Fahrt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit transportiert werden. Die Fahrer erlauben sich spannende Überholmanöver, jeder darf drei bis vier Touristen sein eigen nennen. Matthias, Dirk und ich besteigen die sehr steilen Treppen des mit 37 Metern höchsten Turms. An anderer Stelle des Forts werden wir wieder von einer Gruppe Zwölftklässler bestaunt, Dirk muss sich erneut fotografieren lassen (warum nehmen die nicht mich?).

Am frühen Nachmittag brechen wir auf nach Kota, der drittgrößten Stadt Rajasthans. Es gibt sogar ein gutes Stück „Autobahn“, auf das Manish sehr stolz ist. Überhaupt: der Verkehr in Indien – ein eigenes Thema. Jeder fährt, wie er will, LKWs sind teilweise total überladen, das wichtigste Teil eines Fahrzeugs gleich welcher Art ist die Hupe. Kurz vor Kota – es wird zwischenzeitlich dunkel – geht fast gar nichts mehr. Als wir endlich das  Hotel erreichen, geht wieder ein langer Tag zu Ende. Die Unterkunft  selbst ist erneut ein ehemaliger Palast, in dem unter anderem zahlreiche Jagdtrophäen der Engländer und der Maharadjas (Tiger- und Hirschköpfe) an den Wänden hängen.

Plane Deinen Urlaub - Indien Udaipur
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KOTA – BUNDI – RANTHAMBORE  Dienstag, 15. Februar 2011

Von Kota aus geht es am heutigen Dienstag, dem Ende der zweiten Reisewoche, zunächst nach Bundi am Fuße des Aravalli-Gebirges. Nach knapp einer Stunde erreicht die Reisegruppe die malerische Stadt. Schon Rudyard Kipling hatte notiert, wie stark ihn Alt-Bundi beeindruckt hatte: „Der Palast… wirkt selbst in hellem Tageslicht wie eine Burg, die sich Menschen in unbehaglichen Träumen bauen – ein Bau von Kobolden, eher nicht von Menschen, … wie eine Lawine aus Mauerwerk, die jederzeit losbrechen und die Schlucht blockieren könnte.“ (Iwanowski’s RAJASTHAN, S. 387 – übrigens ein sehr zu empfehlender Reiseführer).

Auf dem Weg durch die wuselige Altstadt zum Palast werden erst einmal wieder die in den vorherigen Hotels eingesammelten Shampoo-Flaschen an dankbare Kinder verteilt und dafür reizende Fotos gemacht.

Affen gibt es fast überall, sie sind teilweise sehr frech, man muss auf-passen, dass sie nichts klauen (zum Beispiel Brillen oder Hüte). Die Palastherrlichkeit des „Garh Palace“ hat seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 sehr gelitten, und das gesamte Gebäude ist noch völlig unrestauriert. Aber es strahlt viel Charme aus. Irgendwann stoße ich mir ziemlich meinen inzwischen gut gebräunten Plattkopf; Manish versorgt mich mit einem Pflaster und eine Schweizerin mit einem eidgenössischen Desinfektionsspray.

Wir spulen weitere 130 Kilometer ab bis zu unserem nächsten Stopp in Ranthambore. Dort sind zwei Übernachtungen in der Hotel-Lodge „Tiger Den“ eingeplant. Wie der Name schon vermuten lässt, ist am morgigen Mittwoch eine Jeep-Safari in den „Ranthambore National Park“ vorgesehen, wo man mit viel Glück sogar Tiger sehen soll. Diesen Park gibt es seit 1955, und in ihm sollen noch rund 26 dieser Raubtiere leben. Da  man alle Tiere am besten früh morgens zu sehen bekommt, ist Aufstehen am Mittwoch um 6.00 Uhr (ohne Frühstück) angeordnet worden, Abfahrt soll um 6.30 Uhr sein.

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RANTHAMBORE  Mittwoch, 16. Februar 2011

Es hat heftig geregnet heute Nacht, zum ersten Mal im Urlaub. Der Morgen ist empfindlich frisch, alle Gruppenmitglieder packen sich ordentlich ein für die Fahrt mit den offenen Jeeps. In den größeren Fahrzeugen können 17 Personen plus Fahrer und Ranger sitzen, nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung mit Angaben zum Reisepass (warum eigentlich?), dass man dieses und jenes zu beachten hat und vor allem auch weiß, in welche „Gefahr“ man sich begibt, geht es los.

Wir werden heute zwei Touren machen, eine ganz früh und dann noch eine zweite um 14.30 Uhr. Am Parkeingang strömen alle Jeeps zusammen, vollgepackt mit Kamera bewaffneten Touries. Jeder will den Tiger sehen. Doch zunächst treffen wir nur auf neugierige Vögel, die sich an die Menschen gewöhnt haben: sie fressen Kekse aus der Hand.

Es gibt dann jede Menge Hirsche und Rehe zu sehen, indische Antilopen, Eisvögel, Pfauen, sogar zwei Krokodile – aber: wo ist der Tiger? Uns wird zunehmend kälter. Der Ranger lässt den Wagen anhalten, hört auf Warn-rufe der Vögel, er glaubt, der Tiger muss ganz in der Nähe sein. Der Park ist in unterschiedliche Sektionen aufgeteilt, die Jeeps werden nach Los-System verteilt.

Kein Tiger weit und breit!

Auf dem Weg zurück nach drei Stunden plötzlich Riesenaufruhr! Per Handy wurde die Information verteilt: der Tiger wurde gesichtet. Wie auf der Autobahn rasen alle Jeeps in eine Richtung, fast rammen sie sich. Unser Jeep demoliert das linke Blinklicht. Fotoapparate in eine Richtung: da – oder doch nicht? Oder vielleicht nach der nächsten Kurve? Wieder hin rasen, wieder Apparate bereithalten!

Wieder kein Tiger!

Aber großes Kino, Action pur.

Heute Nachmittag wird’s bestimmt was geben. Wir fahren zurück zur Lodge. Hungrig stürzen wir uns auf das Frühstück. Viele Tiere gesehen, aber: k e i n e n   T i g e r  !!!!

Dann die Nachmittags-Tour. Es ist zum Glück wieder ein wenig wärmer geworden, aber immer noch zugig auf dem offenen Jeep. Eigentlich erwarten wir nicht mehr als am Vormittag, und richtig:  kein Tiger lässt sich blicken, nur Rehe, Hirsche, ein paar Pfauen, eine Rotte Wildschweine, ein Adler und einige Mungos. Dafür werden wir wieder drei Stunden lang ordentlich durchgeschüttelt. Na dann: Tiger ade, auf zu neuen Taten!

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RANTHAMBORE – JAIPUR  Donnerstag, 17. Februar 2011

Von Ranthambore aus nehmen wir den „Sonstwoher-Delhi-Super-Express-Intercity“ um 14.40 Uhr. Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns in der Lodge, endlich einmal etwas Ruhe auf der großen Rundfahrt. Gegen 13.30 Uhr werden wir mit zwei offenen Jeeps abgeholt, da unser Bus bereits mit den Koffern auf den Weg nach Jaipur, der größten Stadt in Rajasthan, ist. Wir haben nur Handgepäck dabei.

Dieses besondere Erlebnis einer Eisenbahnfahrt versuche ich mal so zu beschreiben: alles, was man bisher in Filmen und im Fernsehen über indische Züge gesehen hat, ist wirklich wahr! Der Zug rollt erstaunlich pünktlich auf dem Bahnsteig ein, Menschen drängen sich durch die Türen heraus und gleichzeitig hinein, um die besten Plätze zu ergattern. Unsere Reisegruppe fährt klimatisiert 1. Klasse, fast alle Plätze sind besetzt (unsere zum Glück rechtzeitig reserviert). Hinter uns die verschlossene 3. Klasse, damit es keine Menschen-Durchmischung gibt, vor uns zwei bis drei voll besetzte Liege- und Schlafwagen, noch weiter vorne die 2. Klasse. Erste und zweite Klasse haben offene, vergitterte Fenster, klimatisiert wird mit Hilfe von Durchzug und ständig auch während der Fahrt geöffneten Türen. An den Türen stehen Menschen, die sich manchmal hinaushängen, weil man mal Luft schnappen will. Geraucht werden darf nicht. Der Schaffner kontrolliert eine seitenlange Passagierliste, der ernst dreinblickende Zug-Chef mit Turban ist die absolute Respektsperson.

Ich mache Fotos und Videos aus dem fahrenden Zug heraus bei offener Tür, den Zug-Chef stört es nicht. Höchstgeschwindigkeit schaukelige 80 km/h, mehr lassen die Schienen nicht zu. Aber wir kommen sicher nach zweieinhalb vergnüglichen Stunden in Jaipur an.

Unser Hotel in der Millionenstadt empfängt und mit dem Charme des geordneten Chaos‘ und mit freudigen Hupkonzerten in allen Tonlagen, zu denen Automobile und Motorräder in der Lage sind. Manish treibt uns an zu einem kurzen Frischmachen von gefühlten 14 Minuten im neuen Zuhause, das wir für die nächsten drei Tage beziehen, weil er noch einen Besuch in einem Preziosenladen, also einer Schmuckfabrik, vorgesehen hat. Ich nehme an, er verdient dort ordentlich Prozente.

Die Männer werden mit kostenlosem indischen Whisky abgefüllt, während die Frauen die teuren Rubine, Smaragde und Brillanten bewundern.

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JAIPUR  Freitag, 18. Februar 2011

In Jaipur ist richtig etwas los.  Nicht allein die Größe der Stadt ist beeindruckend, auch – oder besonders – die unglaubliche Menge von Menschen auf den Straßen mit allen möglichen Fahrzeugen.  Während bisher überwiegend die Tuk Tuks anzutreffen waren, sind es hier Fahrradrikschas, auf denen in den seltensten Fällen Personen, meistens aber Waren aller Art transportiert werden.

Unser erster Morgenbesuch gilt einem Cricket-Match zwischen zwei Studententeams. Das ist hier in Indien Nationalsport so wie Fußball bei uns, am Samstag beginnen die Weltmeisterschaften in Indien und Bangladesh. Ich verstehe nicht wirklich etwas von den Regeln und dem sicherlich sehr „spannenden“ Spiel. Aber es war ja schon immer so: „Die spinnen, die Briten“, denn die haben dieses Spiel mit ihrer Besetzung des Subkontinents mitgebracht. Deshalb spielen bei den Weltmeisterschaften auch fast nur ehemalige Commonwealth-Länder mit. Matthias darf nach einem l a n g w e i l i g e n  Spiel der Siegermannschaft einen kleinen „Preis“ von Manish überreichen: einen Umschlag und T-Shirts des Reiseveranstalters Marco Polo.

Weiter geht es am berühmten „Jaipur City Palace“, dem „Palast der Winde“, vorbei zur nicht minder berühmten Sternwarte des Stadtgründers Sawai Jai Sings II, der aus der genauen Messung der Sternbahnen auch astrologische Erkenntnisse zu gewinnen hoffte. Er ließ zwischen 1724 und 1734 mehrere Observatorien in Nordindien bauen, das höchste hier in Jaipur mit knapp über 30 Metern soll die Ortszeit bis auf 4 Minuten genau anzeigen.

Sibylle und mich interessieren nach über eineinhalb Stunden anstrengender Erklärungen in einer kaum zu verstehenden indisch-deutsch-englischen Aussprache eines fachkundigen Führers doch mehr die überaus reichhaltigen Angebote der Straßenhändler. Und das ist wirklich ein schwieriges Unterfangen, sich an den Ständen vorbei zu kämpfen. Es ist so wie in der Türkei oder Ägypten, teilweise noch stressiger. Ich handele nicht besonders gerne, aber bei Sibylle ist das eine Art „Volkssport“. Erst wenn dem Händler die Tränen kommen, schlägt sie zu, und wenn es nur ein paar Cents (Rupien) sind.

Aber der Höhepunkt kommt dann noch: weil die Haare von Matthias etwas zu lang gewachsen waren, lässt er sich zu einem Friseurbesuch überzeugen.

Und da es auf die Dauer der Prozedur etwas langweilig wurde, habe ich mir eine Kopfmassage und eine Bartstutzung verordnen lassen. Ich kann nur sagen: wie ich da fast vierzig Minuten nach allen Regeln der Coiffeur-Kunst Indiens traktiert wurde (einschließlich Finger langziehen und Haut-am-Rücken-Zupfen sowie Innenohr-Massage), das lässt sich kaum beschreiben. Hinterher hat das Ganze für uns Beide rund sechs Euro gekostet, und wir waren die Attraktion der Straße.

Nachmittags wurde noch ein Internetcafe aufgesucht (eine Stunde für knapp einen Euro anstatt wucherischer fünf Euro im Hotel!), und abends ging es zum Essen zu einer „Adelsfamilie“, wie Manish sie bezeichnete, die uns alle 22 eingeladen hatte (bis auf diejenigen, die wegen Durchfalls im Hotel bleiben mussten). Mit dem Bus fahren wir in ein herrschaftliches Haus. Das sehr große Gebäude umschließt einen quadratischen Innenhof, eine Oase der Ruhe in dieser lärmigen Stadt.

Wir werden überaus gastfreundlich empfangen. Mitglieder der Familie setzen sich beim sehr guten Essen zu uns und führen im besten Englisch – anders als die meisten Inder – eine gepflegte Unterhaltung. Da merkt man deutlich die Ausbildung auf privaten, teuren Schulen.

Ein sehr stimmungsvoller und unvergesslicher Abend.

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JAIPUR  Samstag, 19. Februar 2011

Der dritte Tag in Jaipur. Früh am Morgen geht es hoch zum Amber-Fort. Heute am Samstag ist der Touristen-Ansturm riesig. Noch schlimmer als das sind aber die aufdringlichen Straßenhändler und Bettler. Wie schon während des gesamten Urlaubs wird uns empfohlen, sie einfach zu ignorieren. Ich möchte nicht schon wieder den Vergleich zu Thailand bemühen, aber der Aufenthalt dort ist wesentlich entspannter und in Bezug auf Nebenkosten auch deutlich günstiger. Hier in Indien gilt nämlich das Prinzip: es gibt nicht nur Heilige Kühe, sondern auch Melkkühe in Form von Touristen. Man kann das teilweise umgehen, indem man zum Beispiel Cola oder ähnliche Getränke bei den Händlern am Straßenrand kauft (kein Problem, wenn original verschlossen, Flasche 0,65 l für umgerechnet 40 Cent), aber in den Hotels wird dafür meistens gnadenlos zugeschlagen.

Auch bei den Eintrittspreisen zu den Sehenswürdigkeiten, die alle nicht im Reisepauschalpreis enthalten sind, unterscheidet man in Indien nach Preisen für Touristen (das Taj Mahal kostet beispielsweise knapp 13 Euro ohne Fotogebühr) und für Einheimische (egal wie wohlhabend sie sind) nur 1,30 Euro. Das muss man wissen, wenn man sich für eine derartige Reise entscheidet. Ich nenne so etwas „Touristenabzocke“ und finde das überhaupt nicht gut, auch wenn damit (wirklich?) der Aufbau des Landes unterstützt werden soll. Keiner kann es überprüfen.

Zurück zum Fort. Das wievielte Fort ist es eigentlich, das wir besichtigen? Eindrucksvoll sind sie alle, egal ob restauriert oder nicht. Den Weg hinauf absolvieren wir mit Jeeps, zum Glück nicht mit Elefanten. Zum Schutz dieser Tiere wurde auch der qualvolle Einsatz auf drei Vormittags-Touren am Tag mit maximal zwei Personen (plus Mahout) und nur bergauf im Jahr 2005 reglementiert.

Nach der Besichtigung des Forts will uns Manish noch einen Laden zeigen, in dem Stoffe bedruckt werden. Aus der angekündigten halben Stunde werden fast zwei, weil es sich wie in besten Zeiten in der Türkei um eine Teppich-Verkaufsveranstaltung handelt. Dicker Minuspunkt! Ein Großteil der anspruchsvollen Gruppe meutert, aber unsere amerikanischen Freunde erwerben zumindest einen kleinen Seidenteppich als Wandschmuck für 4.200 $. Dann hat es sich doch gelohnt für das Geschäft, wir haben alle einen kostenlosen Rum mit Cola getrunken.

Manish drängt schließlich auf Heimfahrt ins Hotel, denn gegen 14.30 Uhr beginnt das Cricketmatch zwischen Indien und Bangladesh. Wir haben frei!

Nach einer kurzen Erholungspause, die ich für eine Aktualisierung dieses Berichts (ansonsten häufig während der Busfahrt) nutze, fahren Sibylle, Dirk und ich mit dem Tuk Tuk für 100 Rupien (umgerechnet 1,70 Euro) in die Innenstadt und kaufen abseits der Touristenströme Tee und Gewürze sehr günstig ein. Bettler schlurfen neben und hinter uns her, weitergehen und nicht beachten, aber nicht böse werden, Gesicht bewahren! Zurück mit dem Tuk Tuk für nur 40 Rupien (70 Cent).

Am Abend gehen zwölf aus der Gruppe zum Essen in ein im Reiseführer von Iwanowski empfohlenes Restaurant („Copper Chimney“). Fast nur Touristen, Preise moderat, aber schon angepasst, etwa 2/3 der Hotelpreise. Einige von uns sind zu Hause geblieben, die Zahl der an Magenverstimmung und sonstigem Unwohlsein Leidenden steigt. Am nächsten Morgen werden Rezepte und Medikamente ausgetauscht, man überlegt, woran es gelegen haben könnte.

JAIPUR – AGRA  Sonntag,20. Februar 2011

Heute werden wir Rajasthan verlassen, das „Land der bunten Farben“, wie Manish stets zu sagen pflegt, und fahren in das bevölkerungsreichste Bundesland Indiens, nach Uttar Pradesh. Unser Ziel wird heute Abend Agra sein, das Ziel der Indien-Reisenden schlechthin, denn dort befindet sich eines der sieben modernen Weltwunder, das Taj Mahal.

Auf dem Weg dorthin auf einer neu gebauten autobahnähnlichen Straße geht es für indische Verhältnisse recht zügig voran. Einige Worte zu den Straßen und dem Verkehr: Man darf sich das nicht so wie in Europa und schon gar nicht wie in unserem geliebten Deutschland vorstellen. Alles, was irgendwie mindestens zwei Räder hat, fährt auf diesen Straßen. Die Geschwindigkeit ist egal, manchmal auch die Straßenseite. Wenn man aus einer Einfahrt auf eine vierspurige „Autobahn“ zum Beispiel nach rechts will, bei Linksverkehr aber eigentlich erst nach links müsste, um dann einen U-Turn über die Mitte zu machen, erspart man sich diesen teuren Umweg und fährt dann eben entgegen dem fließenden Verkehr gleich nach rechts, dann quer an geeigneter Stelle über den Mittelstreifen und so ist man mit viel Glück auf der richtigen Fahrspur gelandet. Alles klar? Ob man das darf? Manish sagt: „Gesetze sind dazu da, um sie zu brechen.“ Dazu gehört natürlich auch, dass man auf den Dächern von Bussen mitfährt, weil die ja ohnehin schon überfüllt sind. Der Polizei ist das egal!

Etwa 40 km vor Agra liegt die „Geisterstadt“ Fatehpur Sigri. Mehrere Paläste und Moscheen sind in ihrer Baustruktur noch sehr gut erhalten. Wir sind gut vorbereitet auf die Geschichte dieser Stadt aber nicht auf die uns außergewöhnlich unangenehm belästigenden Straßenhändler. Wie die Kletten werden wir beim Ausstieg aus dem Bus bis zum Eingang der Anlage belagert, um jedmöglichen Schund zu kaufen. Ich erwerbe vier billige Fußkettchen für umgerechnet einen Euro und hänge sie mir um meinen linken Arm. Bei jedem weiteren Versuch, mir irgendwelchen Mist anzudrehen, klimpere ich mit dem Tand und mache so deutlich, dass ich schon Opfer eines Verkaufsangriffs geworden bin. Das hilft ein wenig, aber die Schmeissfliegen sind kaum abzuschütteln. Manish kommentiert, dass das eben so sei „in diesem Land Indien“.

Die Weiterfahrt nach Agra verläuft reibungslos, wenn auch schleppend. Das Verkehrschaos hat uns wieder erreicht, 1,5 Millionen Menschen wollen überall hin. Vor unserem Hotel aber fahren wir einen schönen Aussichtspunkt an, um das Taj Mahal kostenlos aus der Ferne anzusehen.

Unser Hotel ist wie das letzte in Jaipur in Ordnung mit total überhöhten Bier- und Internetpreisen. Den Internetzugang können wir vor der Tür für ein Achtel haben, das Bier leider nicht.

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AGRA – DELHI  Montag,20. Februar 2011

Der vorletzte, nein eigentlich schon der letzte Tag unserer Reise. Manish hat frühestes Aufstehen angeordnet, weil wir die Ersten sein wollen bzw. sollen am Taj Mahal. Über 20.000 Besucher werden mindestens täglich erwartet, um 6.40 Uhröffnen die Tore, deshalb müssen wir um 5.30 Uhr aufstehen. Vor dem Frühstück im Hotel starten wir mit dem Bus.

Die Sicherheitsanweisungen sind so umfassend, wie man es sich kaum vorstellen kann: man darf praktisch nichts mitnehmen, wird beim Eintritt nach Geschlechtern getrennt gefilzt, so dass sich fast schon Zollbeamte in den USA daran ein Beispiel nehmen können. Die Inder haben vor allen möglichen Anschlägen eine Höllenangst. Dafür werden die schon erwähnten 13 Euro pro Tourist kassiert.

Das Gebäude ist wunderschön. Ich fotografiere ohne Ende, die Morgensonne lässt die Mauern in einem weichen warmen Licht erstrahlen. Man muss dieses Grabmonument wirklich gesehen haben. Ich füge einfach noch ein paar Bilder hinzu ohne Kommentar.

Am Ende sind wir alle überzeugt davon, dass dieses Bauwerk wirklich zu den bedeutendsten der Welt zählt!

Gegen 9.30 Uhr fahren wir zurück zum Hotel, frühstücken und packen die Koffer zum letzten Ziel unserer Rundreise – zurück nach Delhi. Dort kommen wir wieder erst am frühen Abend an, aber es wird für die meisten nur für einige Stunden sein, denn der größte Teil wird bereits in der Nacht um 3.10 Uhr von der indischen Hauptstadt losfliegen. Also noch ein letztes Mal zu Abend essen und sich von Manish, seinem Begleiter im Bus und dem Busfahrer mit je einem Trinkgeldumschlag (auch das darf nicht zu gering sein und addiert sich so pro Person auf ein stattliches Sümmchen in fast drei Wochen).  Das ist immer ein etwas „heikles“ Thema: gibt man zu viel oder ist man zu knauserig? Eigentlich werden ja alle durch den Reiseveranstalter entlohnt, doch in Wirklichkeit ist auch hier das Bakschischwesen weit verbreitet.

Die Verabschiedung von Manisch ist teilweise herzergreifend, es werden Email-Adressen ausgetauscht und Versprechungen gegeben, man werde sich schreiben, Meistens wird nichts daraus, und das ist auch gut so.

Sibylle und ich fliegen also dann direkt nach Frankfurt zurück, Matthias und Dirk nach München sechs Stunden später (die können noch eine kurze Nacht im Hotel bleiben!), zwei Schweizerinnen verlängern ihren Urlaub um eine Woche in Goa, das amerikanische Ehepaar wird über Frankfurt weiterreisen nach Washington und dann noch weiter nach Virginia. „Unsere“ acht Stunden Nachtflug zurück reichen mir da schon!

RÜCKFLUG  Dienstag,21. Februar 2011 und RESUMEE

Unvergessliche 20 Tage gehen zu Ende. Wir alle haben ein Land oder besser gesagt einen Teil eines riesigen Landes kennengelernt mit einer alten Kultur voller Burgen, Forts und Palästen. Indien ist ein Land im Aufbruch, quirlig und scheinbar unorganisiert, schmutzig und lärmend doch gleichzeitig liebenswert. Die Menschen sind außergewöhnlich aufgeschlossen allen Fremden gegenüber, neugierig und freundlich. Ein buntes, ein lebendiges Land.

Aber immer noch ein armes Land mit viel Elend. Es geht scheinbar chaotisch zu und findet doch immer wieder eine Ordnung. Und es sind stolze Menschen, denen wir begegnet sind, tief verwurzelt im Glauben ihrer hinduistischen Religion.

Manish hat es zum Abschied treffend formuliert: wir waren für drei Wochen eine große Familie, die sich wirklich richtig gut verstanden hat. Und darauf trank er einen indischen Rum.

Ach ja: wenn da nicht das Essen gewesen wäre…..

Gefahren wurden wir 3.200 Kilometer kreuz und quer durch Rajasthan.